Wie ich mit 20 in Gambia Buba (4) kennenlernte

Als wir zur Diagnostik nach Banjul reisten, sah Buba zum ersten Mal den Strand. Und ich hatte plötzlich ein vierjähriges Kind.

Als wir zur ausführlichen Diagnostik in die Hauptstadt reisten, sah Buba zum ersten Mal in seinem Leben den Strand. Ich hatte plötzlich ein vierjähriges Kind, geplant für ein paar Tage. Dann beantragte ich sein Visum nach Deutschland.

Als ich Buba das erste Mal traf, hockte er unweit des elterlichen Grundstücks am Boden und verschnaufte während seine Schwestern, Cousins und einige Nachbarskinder einem improvisierten Ball nachjagten. Er saß oft so in der Hocke, die Beine an den Oberkörper gezogen. Eine intuitive Haltung, ein verzweifelter Versuch des schwachen Körpers den viel zu niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut auszugleichen.

Mir fiel auf, wie oft Buba den Kopf auf die Knie legte und die Arme um die Beine schlang. Was ich nicht wusste: So erhöhte sich der Gefäßwiderstand in seinem Kreislauf und die Sauerstoffsättigung stieg. Auch seine Eltern wussten es nicht. Denn niemand hatte bis dahin Bubas schweren Herzfehler diagnostiziert, seine gambischen Eltern erklärten mir, der Vierjährige leide an Asthma.

Wenige Monate nachdem ich mich über diese Erklärung zum ersten Mal wunderte, sollte der Junge mit mir nach Deutschland fliegen, wo ihm in einer über sechsstündigen Operation ein Loch in der Herzscheidewand geschlossen wurde. Viele Menschen finden, dass ich Buba das Leben gerettet habe. Ich finde das nicht, denn das hat höchstens der Arzt gemacht. Geholfen aber haben zahllose Spender, die weit über 30.000 Euro gesammelt haben und meine Familie, die mich bei diesem wahnsinnigen Unterfangen immer unterstützt hat. Ich hätte Buba aber auch nicht helfen können, nicht helfen müssen, wenn die Situation in seiner afrikanischen Heimat nicht so wäre wie sie ist. Zehn Jahre nach diesem Abenteuer erreichen mich aktuelle Fotos von Buba. Zeit, dieses afrikanische Märchen aufzuschreiben. Es ist größtenteils schön, denn der Junge lebt. Die Geschichte ist lang, aber sie hilft Afrika zu verstehen.

Afrika – Abenteuer und Selbstfindung nach dem Abitur

Ende 2006 flog ich zum ersten Mal nach Gambia. Westafrika. Das kleinste Land auf dem afrikanischen Kontinent und ein Ort an dem eine Familie als wohlhabend gilt, wenn jemand mehr als 100 Euro im Monat verdient. Ein Land, in dem von 1000 geborenen Kinder 62 nicht einmal vier Jahre alt werden. Wird jemand älter als 62 Jahre, so verschiebt er die Lebenserwartung-Statistik nach oben.

Ich flog ursprünglich, um mir ein paar Wochen das Projekt anzuschauen, für das in meiner Schulzeit in Hattingen an der Ruhr immer einmal wieder gesammelt wurde, das häufig in der Zeitung stand und zu dessen Vereinschef mir ein Redakteur der Lokalzeitung WAZ, wo ich damals als freie Mitarbeiterin jobbte, einen Kontakt vermittelte. Geblieben bin ich viel länger als einige Wochen, aber dazu später mehr. Ich war damals gerade 20 geworden, hatte einen fast jungfräulichen Reisepass in der Tasche, in dem nur ein Visum aus Indonesien klebte. Direkt nach dem Abitur hatte ich an einer Jugendbegegnung in West-Papua teilgenommen, eine Gruppenreise meines Kirchenkreises.

Unter den Eindrücken von drei Wochen Regenwald, abgeschnitten vom Rest der Welt, ohne Kommunikationsmöglichkeit auch nur in die nächste Stadt, fühlte ich mich vorbereitet auf jedes Land dieser Welt, qualifiziert mit dem Abitur, das ich in der Tasche hatte, und so richtig sicher wusste ich nur eins: Bevor es mit dem Lernen weiter geht, will ich die Welt sehen. Ich buchte damals nur pro forma einen Rückflug. Flexibles Ticket: War günstiger und im Notfall kam man halt immer heim.

My beautiful picture

Nicht Afrika, sondern West Papua, Indonesien. Auf der dreiwöchigen Reise habe ich Fernweh geschnuppert und wollte vor einem Studium nur noch eins: raus in die Welt.

Jahaly ist ein kleines afrikanisches Dorf mit Krankenstation

Und so kam ich nach Jahaly, einem Ort, gut 300 Kilometer entfernt von der Haupt- und Hafenstadt Banjul. Wie in vielen ehemaligen Kolonien Afrikas ist die Gegend der Küstenregion Gambias einigermaßen ausgebaut und erschlossen. Es gibt einige Hotels, (fast) immer Strom und fließendes Wasser, eine rudimentäre Gesundheitsversorgung. Außerhalb der Küstengegend gibt es das alles nicht, so auch in der Region ‚Central River‘, wo Jahaly liegt.

Klickt, wenn ihr mehr wissen wollt, mal diese Karte an. Ich habe die wichtigen Orte meiner Geschichte dort eingetragen. Mit Fotos natürlich.

Dass die Gegend an den Küsten in Afrika oft viel weiter entwickelt ist als das Landesinneren, liegt übrigens auch an der Kolonialisierung und am Sklavenhandel, Häfen waren für die Kolonialherren von großer Bedeutung für ihre Logistik, während sich das Interesse an der Steppe im Landesinneren stark in Grenzen hielt.

Kennt ihr Roots von Alex Haley, die Geschichte von Kunta Kinteh, der Sklave, der aus Afrika nach Amerika gebracht wird? Nicht wenige Gambianer bezeichnen sich als direkten Nachfolgen der Kinteh-Familie und tatsächlich ist es ein häufiger Nachname in Westafrika.

Taken from Africa, brought to America,“ der Refrain des Klassikers „Buffalo Soldier“ von Bob Marley bleibt unweigerlich im Kopf, wenn man die Stadt Georgetown besucht. Eine Insel mitten auf dem Gambia-Fluss, von hier wurden Menschen an die Küste gebracht und nach Amerika verschifft. Es gibt einen Freiheitsbaum, einen beachtlichen Baobab, wer diesen berührte, dem wurde die Freiheit geschenkt, so die Legende.

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Noch berühmter ist vielleicht Goree Island im Senegal, eine vorgelagerte Insel im Atlantik, aus dessen Sklavenhaus die „Tür ohne Wiederkehr“ führt, durch diese Öffnung wurden die Menschen direkt auf Boote nach Amerika verladen, viele überlebten die Überfahrt in die neue Welt nicht.

Der Senegal war eine französische Kolonie. Genau wie in den angrenzenden Ländern der Region sprechen die Menschen bis heute dort Französisch als Amtssprache. Gambia war der englische Zugang zum Atlantik in Westafrika während der Kolonialzeit. Der Geschichte nach schoss man von dem kleinen Fluss Gambia, der sich so auffällig exakt durch das Land schlängelt, aus Kanonenkugeln gen Norden und Süden und wo diese liegen blieben, zeichneten die Europäer schlussendlich die Landesgrenzen zwischen Gambia und Senegal in ihre Karten.

Gambia ist dadurch vom Senegal gänzlich umschlossen, nur im Westen endet der Landstrich im Atlantik, im offenen Meer. Die Grenzen wurden direkt durch die ursprünglichen Gemeinden, die Völker und Stämme gezogen. Es gibt heute die gleichen Volksstämme in Gambia und im Senegal, sie sprechen die selben Sprachen. Doch sprechen die Menschen in „Senegambia“ über moderne Wörter, die es in den afrikanischen Dialekten nicht gibt, bedienen sie sich der europäischen Pendants und plötzlich spricht der Senegalese von l’ordinateur während man ein Dorf weiter in Gambia nur the Computer kennt.

Jahaly, Georgetown, Sankulay Kunda und Banjul – Ort wo diese Geschichte spielt

Jahaly ist nicht weit entfernt von Georgetown, dem legendären Geburtsort von Kunta Kinteh und auch wenn Gambia sehr klein ist, so dauerte es 2006 noch einen ganzen Tag bis man die Buschklinik von der Hauptstadt aus erreichte. Nördlich und südlich des Flusses ist jeweils eine Straße, doch damals war die Südstraße kaum befestigt und voller Schlaglöcher. Inzwischen verhält es sich übrigens andersrum: Die Südstraße ist in einem guten Zustand. Die einfachen Straßen sind extremen Witterungen ausgesetzt. Hitze ein Großteil des Jahres, dazu massive Niederschläge in der Regenzeit. Außerdem fahren oft schwere LKW über die Straßen. Denn die Menschen im südlichen Senegal wollen Güter aus dem (reicheren) Norden beziehen. So bröckelt die Straße oft nach ein paar Jahren und ist bald wieder eine Buckelpiste.

Banjul, die Hauptstadt und das Ballungsgebiet drumherum, das als ‚Kombo‚ bekannt ist, liegt auf dem südlichen Teil, ebenso das Dorf Jahaly. Die knapp 300 Kilometer über die Buckelpiste zwingen jedoch auch gestandene Geländewagen schnell in die Knie, außerdem ist der aufwirbelnde Staub der Piste kaum erträglich, davon abgesehen, dass man hier stundenlang durchgeschüttelt wird.

Also war damals die einzige Möglichkeit von Banjul mit einer Fähre überzusetzen, genau dort, wo der gleichnamige Gambia-Fluss in den Atlantik mündet, um auf die Nordseite des Flusses zu kommen. Es gibt drei Fähren, die alle unglaublich alt sind und selten so richtig funktionieren. Gerüchte besagen, dass es sich um ausgemusterte, europäische Autofähren handelt, zu alt um der Prüfung europäischer Kontrollorgane standzuhalten, bestens geeignet für eins der ärmsten Länder der Welt.

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Wie mich eine Fähre Dankbarkeit für Deutsche Gründlichkeit lehrte 

Wenn Menschen hierzulande über den TÜV, die Berufsgenossenschaft oder andere Prüforgane schimpfen, denke ich an diese Fähren. Und an die oft über zwei Stunden dauernde Überfahrt, obwohl man bei guter Sicht das andere Ufer am Horizont sehen kann. Ich denke daran, dass ich auf einem dieser Schiffe einmal so etwas wie Todesangst gespürt hätte haben sollen – hätte ich nicht ein so unerschütterliches Vertrauen in Verkehrsorganisation und Struktur aus Deutschland mitgebracht.

Damals, als wir bereits in der Dämmerung zum Pier kamen und völlig enttäuscht waren, dass der Fährbetrieb  für den Tag bereits eingestellt war. Zu dunkel. Außerdem war ein Sturm aufgezogen, die Hafenbehörde hatte jede weitere Überfahrt untersagt. Und so standen wir, nach stundenlangem Warten ganz vorne in der Reihe und doch verdammt die Nacht zu bleiben.

Es kursieren 1001 Theorien, wie man möglichst schnell auf die andere Seite kommt. Besonders früh oder spät vor Ort sein, einen Hafenmitarbeiter schmieren, betonen, dass man für ein Krankenhaus arbeitet – im Endeffekt hilft eigentlich alles nichts. Der Fährbetrieb ist meist hoffnungslos überlastet und stundenlanges Warten ist angesagt.

Es gibt ein Hotel im Ort, das aber wenig mehr Luxus bietet, als die Übernachtung im Auto. Außerdem ist alles voller Mücken und unangenehmer Zeitgenossen, die Bier, Marihuana oder anderes verkaufen wollen. Keine rosigen Aussichten also.

Die Stimmung war auf einem Tiefpunkt, doch dann sprach sich plötzlich rum, dass ein einflussreicher Mann gestorben war, der nach muslimischer Regelung innerhalb von 24 Stunden beigesetzt und auf die andere Seite gebracht werden musste. Sofort. Der Trauerzug erreichte den Pier und plötzlich setze wieder das geschäftige Fährtreiben ein und wir schienen nun doch übersetzen zu können.

Gerade so viele Autos wie auf eine Fähre passen, dürfen stets in einen „Terminal“ vor, so soll das Gedränge eingedämmt werden. Das klappt zwar nicht, dafür ist zumindest ab dort klar, dass man definitiv auf das nächste Schiff kommt, wann auch immer das dann fährt.

Es war meine erste Überfahrt in Dunkelheit und es schaukelte so stark in dieser Nacht, dass es fast etwas biblisches hatte. Einige Männer stemmten sich von beiden Seiten gegen die hoffnungslos überladenen Mercedes Busse, weil sie Sorge hatten, dass ihre Taxibusse umkippen könnten, so stark war der Seegang. Dass sie dabei nass wurden, störte sie nicht. Mit jeder Welle schwappte eine kleine Flut über die Fährwand. Ich beobachtete das Treiben eine Weile, bis ich mich wunderte, warum uns niemand ansprach.

Toubabs, wie die Gambier Europäer nennen, waren auf der Fähre nicht oft zu sehen und die Menschen in Gambia sind oft sehr aufgeschlossen und interessiert. „Woher kommst du, wie geht es dir?“ – Gambia wird nicht umsonst „The Smiling Coast of Africa“ genannt. Doch an diesem Abend war alles gespenstisch still, bis auf einen Mann, vielleicht kam er aus Sierra Leone, denn er sprach Englisch und keine lokale Sprache.

Er rief dem Kapitän verzweifelt zu: „Turn around this ship or you will kill us all tonight, Mr Captain.“ („Drehen Sie um, Kapitän, oder Sie bringen uns alle um!“) Einige gaben ihm Recht und dann sah ich, dass ein Großteil der Passagiere am Boden saß und betete, weil sie um ihr Leben fürchteten. Deshalb sprach niemand mit uns. Perle um Perle ließen sie ihre Gebetsketten durch die Finger gleiten, dankten Allah für ihr Leben und beteten für Jannah, das Paradis nach dem Tod.

Erst da begriffen wir den Ernst der Lage, bis dahin war es einfach ein lustiges Schauspiel gewesen, den schwankenden Autos und dem ins Boot schwappenden Wasser zuzusehen, mein Vertrauen in die Hafenbehörde war so groß gewesen.

Die lassen die Fähre doch nicht los, wenn es nicht sicher ist! Doch, tun sie.

Wir erreichten Banjul nach einer langen Überfahrt, doch zu der Freude die Nacht im Bett statt im Auto am Hafenkai zu verbringen, mischte sich eine nie gekannte Dankbarkeit für die Sicherheit in Deutschland und Europa. Läuft eine Fähre hier aus, können wir uns verlassen, dass es sicher ist. In Gambia hebelt ein Toter, der bestattet werden will, Sicherheitsvorschriften aus, wenn es sie überhaupt gibt. Wir wachsen hier in einer Sicherheit und einem Vertrauen auf, die uns manchmal vergessen lassen, selber einzuschätzen, wann etwas gefährlich ist und wann nicht.

Wäre das Schiff in dieser Nacht gesunken, es wäre nur in den Medien erwähnt worden, weil vier Deutsche an Board waren. Darum werde ich manchmal ungehalten, wenn hier jemand argumentiert, dass in Afrika die Menschen auch nicht sterben, obwohl es keinen TÜV und staatliche Kontrolle gibt. Doch, Menschen sterben und verunglücken in Afrika, nur schaffen es Fährunglücke und Gerüstunfälle selten in die Berichterstattung, stirbt nicht ein Europäer dabei.

Das Land, in dem Buba geboren ist und die Umstände unter denen die Familie lebt

Ich bin etwas abgeschweift, doch das alles ist wichtig, um Bubas Geschichte zu verstehen. Denn nur wenige Monate nachdem ich den schmächtigen, schlappen, hockenden Vierjährigen kennengelernt habe, würde seine Mutter mir ihren ersten und einzigen Sohn mitgeben, alleine, nach Deutschland. Oft bin ich gefragt worden, warum eine Mutter so etwas tut. Das hier ist Teil einer Antwort, kurzgefasst lautet sie: Sie hatte keine Wahl.

Nur wer sich vorstellen kann, wie die Versorgung in Gambia ist, wie die Menschen leben, wird vielleicht verstehen, warum eine afrikanische Mutter einem jungen, deutschen Mädchen ihren geliebten Sohn mitgegeben hat.

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Mit Bubas Mutter Mariama

Auf dem Weg ins Dorf 

So setzte man also von Banjul mit besagter Fähre über auf die Nordbank, damals der ganze Stolz der Gambier, denn die Straße war neu geteert und wenn nach Stunden des Wartens einmal der Fluß überquert war, konnte man über die neue Straße sausen. Mit dem Ankommen auf der anderen Flussseite, kam ich auch richtig in Afrika an. Kleine Dörfer am Wegesrand, viel Lehm, mehr Wellblech, noch mehr Elend. Strom gab es hier nur in größeren Siedlungen, für Wasser liefen die Mädchen und Frauen oft weit bis zum nächsten Grundwasserbrunnen, denn bis etwa zur Mitte des Landes führt der Fluss noch Salzwasser.

Englisch sprechen hier nur wenige Menschen, obwohl es die offizielle Amtssprache ist. Auf den Dörfern wird eine von über sieben Landessprachen gesprochen, ein linguistisches Wunder, wenn man bedenkt, dass es nur knapp zwei Millionen Gambier auf eine Fläche, die von den Quadratkilometern an Hessen erinnert, gibt. (Warum wird eigentlich immer alles mit Hessen verglichen?!)

Nach etwa 250 Kilometern auf der neuen Straße muss der Fluss erneut überquert werden, denn Jahaly liegt ja auf der Südbank. Dafür muss eine weitere Fähre genutzt werden, um auf oben erwähnte Insel mit dem Ort Georgetown überzusetzen. Eigentlich heißt der Inselort Janjanburreh, vermutlich hatten die Engländer keine Lust diesen Namen auszusprechen und nannten das Fort, von dem die Sklaven weiter Richtung Küste geschickt wurden, Georgetown.

Anders als auf die große Fähre passen auf diese gerade einmal zwei Autos. Sieht ein bisschen so aus wie die Rheinfähre Walsum-Orsoy, nur älter. Die Fähre setzt sich immer erst dann in Bewegung, wenn auch zwei Autos übersetzen wollen. Über die Insel und durch Georgetown führt dann ein 10 Fahrt-Minuten Weg, bis von der Insel auf die Südbank erneut übergesetzt wird. Auch hier eine Autofähre für maximal zwei Wagen.

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Auch hier streiken die Motoren der Fähren oft, oder der Betreiber hat schlicht kein Geld um Diesel zu kaufen. Praktischerweise laufen die Fähren an Führseilen aus Stahl, damit sie nicht abtreiben. Gibt es wieder einmal keinen Diesel oder ist der Motor kaputt, oder hat der Betreiber keine Lust den Motor anzuwerfen, weil er gerade beim Gebet oder beim Mittagessen ist, ziehen alle Passagiere so lange kräftig an dem nassen Stahlseil bis die Fähre am anderen Ufer ist.

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Auch hier würde die Fährberufsgenossenschaft sicherlich bemängeln, dass die Führschiene, das Stahlseil und die Fortbewegung eine potentielle Gefahrenquelle für gequetschte Hände darstellen, in Gambia interessiert das niemanden. Das erste Dorf auf der Südbank heißt Sankulay Kunda und ist das Heimatdorf von Buba. Von dort ist es nur noch eine knappe Stunde Fahrt bis Jahaly, wo die Hattinger Buschklinik seit nunmehr 30 Jahren mit die beste medizinische Versorgung im Landesinneren anbietet.

Die Dorfbewohner von Sankulay Kunda verdienen sich ein kleines Zubrot in dem sie den Reisenden an der Fähre je nach Saison Mangos, Orangen, Erdnüsse, Cashews oder Gebäck verkaufen, während diese auf die Fähre warten. Ganz nah an die Autofenster kommen sie dann, präsentieren auf einem großen Teller kleine Tütchen mit Leckereien und verkaufen diese für (umgerechnet) wenige Cents.

Manche Frauen kochen auch wilden Hibiscus oder Baobab ein, mischen die Flüssigkeit mit Unmengen Zucker und füllen den Saft in kleine Plastiktüten. Diese kommen dann ins Eisfach (wenn denn vorhanden) und werden anschließend als konservierungsstofffreies Wassereis in einer Gefrierbox verstaut und so lange es bei der afrikanischen Hitze kalt bleibt, verkauft. Ich habe mir einmal den Spaß gemacht das durchzurechnen, das Obst für die Saftproduktion, der Zucker, die Kühlung, die Plastiktüten – vom Zeitaufwand ganz abgesehen, es ist mir unbegreiflich, wie man damit Geld verdienen kann.

Der Campus der Hattinger Buschklinik im Dörfchen Jahaly 

Jahaly ist wie eine kleine Oase, wenn man nach der langen Fahrt durch unwegsames Gelände auf den Hof fährt: Geweißelte Gebäude, befestigte Wege, Rasen, eine kleine Krankenstation mit Apotheke. Es gibt eine Kinderstation, die nur in der Regensaison öffnet, wenn die Malariafälle in die Höhe schnellen, weil die Mücken in den nahen Reisfeldern, wo das Wasser stehen muss, ideale Brutbedingungen finden und die Nächte so heiß sind, dass die Menschen kaum unter ihren Moskitonetzen schlafen können.

Außerdem gibt es eine kleine Zahnarztpraxis und einen Kindergarten, wo ich die ersten Wochen meines Aufenthalts eingesetzt war. In der Zahnarztpraxis arbeiten keine Zahnärzte, genauso wie in der Krankenstation keine Ärzte, sondern Pfleger arbeiten. Dieses Graswurzelprinzip funktioniert sehr gut in Gambia. Es gibt ohnehin nur eine Handvoll Ärzte im Land (übrigens viele Kubaner) und die wollen – trotz Personalunterkünften und verlässlichen Gehältern- nicht gerne in der Provinz arbeiten, auch wären sie sehr teuer zu bezahlen. Die Krankenpfleger, „nurses„, sind in Gambia nicht für die Pflege von Patienten zuständig, das übernehmen Angehörige. Die Nurses stellen Diagnosen, spritzen Medikamente, schreiben Rezepte und überweisen Patienten (wenn es gar nicht anders geht) in größere Krankenhäuser.

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Um die Fallhöhe zu verdeutlichen: schwere Atemwegsinfekte, Durchfälle, Malaria, akute Brandwunden – die häufigsten Krankheiten können, ebenso wie Geburten, vor Ort erkannt und betreut werden. Verlegungen finden eigentlich nur bei unabwendbaren Kaiserschnitten statt und selbst da habe ich Patientinnen gesehen, die auf keinen Fall in das nächste Krankenhaus nach Bansang gebracht werden wollten, obwohl es dort Ärzte gibt. Das liegt besonders an der eklatanten Hygiene und natürlich an der einstündigen Fahrt über die Buckelpiste, die schon ohne Schwangerschaft nicht unanstrengend ist. Ob wirklich Ärzte, Strom, Wasser und Platz vorhanden sind, wenn der Patient im Verleg-Krankenhaus ankommt, ist auch ungewiss.

Wenn Zähne ziehen Leben retten kann 

In der Zahnarztpraxis arbeiteten sogenannte Community Oral Health Worker, die einen Intensivkurs von einem Zahnarzt bekommen haben. In drei Monaten haben sie gelernt, Zähne unter örtlicher Betäubung zu ziehen und einfache Porzellangemischfüllungen zu fertigen. Die COHWs können keine komplizierte Wurzelbehandlung durchführen, aber sie können schmerzende Zähne entfernen, kariöse aufbohren und füllen. Wer schon einmal Zahnschmerzen hatte, kann sich vorstellen, wie wichtig das ist. Nicht wenige schwere Knochenentzündungen, die man in Entwicklungsländern sieht, haben ihren Ursprung in verschleppten Karies-Erkrankungen. Die Bakterien gelangen in den Körper und setzen sich an den Knochen fest. Knochenfraß setzt ein. Hierzulande fast unbekannt geworden, in Afrika ein riesiges Problem.

Damals gab es in Gambia nur eine Handvoll Zahnärzte, allesamt in der Hauptstadt Banjul, alle in Privatkliniken und unerreichbar für die meisten Menschen. Ich erinnere mich an einen Mann, der stundenlang unterwegs nach Jahaly war, weil es nirgends eine dentale Versorgungsmöglichkeit gab. Er kam spät am Abend und erzählte, dass ein Pferd oder ein Esel ausgeschlagen und ihm ins Gesicht getreten hatten. Mehrere Zähne mussten sofort gezogen und ein angeknackster Gesichtsknochen verarztet werden. Er litt unvorstellbare Schmerzen.

Manchmal habe ich mich gefragt, was das über das Studium der Zahnmedizin sagt, dass die Jungs (und Mädels!) in Jahaly nach nur drei Monaten einen Großteil von Behandlungsmöglichkeiten durchführen konnten. Ein (deutscher) Bekannter ließ sich in Jahaly einmal eine Füllung machen, Monate später zeigte sich sein deutscher Zahnarzt tief beeindruckt von dem Projekt.

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Die Zahnarztpraxis damals in Jahaly. Alle Geräte funktionieren notfalls auch ohne Strom. Die Mitarbeiter haben einen dreimonatigen Intensivkurs in Zahnmedizin gehabt.

An den Wochenenden zu Besuch auf dem Dorf 

Einer der Zahnpfleger, Lamin, kam gebürtig aus Sankulay Kunda, jenem Ort an dem die Fähre von Georgetown Autos und Passagiere auf die Südbank bringt. Seinem Vater gehören einige Reisfelder rund um das Dorf und sein älterer Bruder (Bubas Vater) arbeitet als Buchhalter des Verleg-Krankenhauses in der nächsten Stadt Bansang (siehe Google Karte oben)

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Bubas Vater bei der Arbeit. Als Buchhalter im Krankenhaus gibt er Quittungen raus, mit denen die Patienten dann zur Behandlung gehen können.

Am Wochenende fuhr Lamin oft zu der Familie, aber nicht immer. Auch wenn die Fahrt nicht weit oder teuer war, wurde schnell klar, dass bei jedem Heimatbesuch seine Eltern einen kleinen oder größeren Beitrag zum Auskommen der Familie erwarteten, sodass er nicht zu jeder Gelegenheit heim fuhr, sondern manchmal auch das Wochenende bei der Arbeit verbrachte. Für mich eine völlig neue Erfahrung. Lamin war nur wenige Jahre älter als ich und dass ich einmal nicht zu meinen Eltern fahren würde, weil ich kein Geld oder Geschenke mitbringe – unvorstellbar. Lamin ist Bubas Onkel.

 

Lamin nahm mich mit zu seiner Familie und ich lernte dort, in Ganess Kunda, wie der kleine Hof der Familie heißt, das wahre Gambia kennen, mit seiner Sprache, seiner Tradition, seinen liebenswerten, unvoreingenommenen, freundlichen Menschen, aber auch mit all seiner Grausamkeit.

Ein Teil von Bubas und Lamins Familie auf dem elterlichen Hof. Buba erkennt man daran, dass er auch hier vorne hockt. Die Haltung nahm er automatisch ein, um seinem Körper mehr Sauerstoff zuzuführen.

Ein Teil von Bubas und Lamins Familie auf dem elterlichen Hof. Buba erkennt man daran, dass er auch hier vorne hockt. Die Haltung nahm er automatisch ein, um seinem Körper mehr Sauerstoff zuzuführen.

Die Familie war unglaublich freundlich und aufgeschlossen. Die Kinder sprangen uns oft schon auf dem Weg ins Dorf entgegen und stets bemühte sich die Familie etwas besonderes für mich zu organisieren. Ich bekam eigenes Essen, weil ich einmal erwähnt hatte, dass ich nicht gut scharf essen kann. Oft schlachtete man ein Huhn oder sorgte für etwas anderes außergewöhnliches, was ich stets an der Reaktion der Kinder ablesen konnte.

Lamins Vater, Bubas Opa ist ein sehr netter, freundlicher, kluger Mann. Er gab sich immer sehr viel Mühe mit mir, zeigte mir alles über den Reisanbau und ließ mich in seine Familie. Oft übernachtete ich auch dort, nie fühlte ich mich fremd oder nicht willkommen. Ich lernte viel.

Bubas Opa begenete mir stets mit großem Respekt und Freundlichkeit. Das habe ich in Afrika auch anders erlebt.

Bubas Opa begenete mir stets mit großem Respekt und Freundlichkeit. Das habe ich in Afrika auch anders erlebt.

Der Compound von Bubas Familie. Hier lebt eine afrikanische Großfamilie, umfriedet ist der Hof mit einer Mauer.

Der Compound von Bubas Familie. Hier lebt eine afrikanische Großfamilie, umfriedet ist der Hof mit einer Mauer.

Nirgends lag Freud und Leid für mich je wieder so nah beieinander wie damals in Gambia 

Einmal fuhren wir nach Sankulay Kunda und kauften unterwegs ein großes Stück Rindfleisch. Ich war überrascht, denn Fleisch ist selten und teuer für die Familien auf dem Land. Auf Mandinika heißt das Landesinnere „bolong-kono„, wörtlich übersetzt „im Fluß“. Der Fluß ist Wasserspender und Ort zum Fischen zugleich, so wichtig ist das Gewässer für die Menschen, dass sie nicht vom Landesinneren, sondern vom Wasserinneren sprechen und so gibt es – wenn überhaupt- eher Fisch zum täglichen Reis, als Fleisch.

Fisch ist Grundnahrungsmittel. Getrocknet, geräuchert, gebeizt, frisch - geht immer. Besonders in Kombination mit Reis.

Fisch ist Grundnahrungsmittel. Getrocknet, geräuchert, gebeizt, frisch – geht immer. Besonders in Kombination mit Reis.

Auf Nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass es ein Fest bei der Familie gebe. Was gefeiert wurde erschloss sich mir nicht. Vor Ort angekommen fand ich mich bald in einem Pulk singender, tanzender, klatschender Frauen wieder und wir zogen gemeinsam zum Flussufer. War das die afrikanische Lebensfreude, die sooft beschrieben wird? Die Glückseligkeit der Menschen, die bitterarm sind und sich doch am Leben freuen? Ich verstand die Lieder nicht und niemand sprach Englisch, dass ich unbekannte Vokabeln hätte erfragen können. Am Wasser badeten die jungen Mädchen zu dem jovialen Gesang der Frauen und alle sahen sehr glücklich aus. Die Mädchen wurden nach dem Bad in feinste Kleider gehüllt.

Schon einige Mal hatte ich die Mädchen gesehen, nicht älter als 10 Jahre war die älteste und hatte auf mich immer noch recht kindlich gewirkt. Plötzlich knickste sie vor mir und begrüßte mich förmlich mit Handschlag, statt mir wie früher in die Arme zu springen.

Ich erinnerte mich an unsere erste Begegnung, ich hatte mit ihr Wasser vom Dorfbrunnen holen und ihr unbedingt den schweren Eimer abnehmen wollen, schließlich war ich doch erwachsen, sie ein schmächtiges Kind. Unter dem Gelächter eines gesamten afrikanischen Dorfes stellte man mir einen unfassbar schweren Eimer auf den Kopf. Bei dem Hof der Familie angekommen, war ich geduscht und der Eimer fast leer, so viel war heraus geschwappt. Mein Kopf schmerzte unter der Last. Mit einer beeindruckenden Leichtigkeit hatte das Mädchen mir den Eimer abgenommen und ins Haus getragen.

Mit Leichtigkeit trägt das Mädchen einen vollen Eimer auf dem Kopf. Fließendes Wasser gibt es nicht auf dem Hof.

Mit Leichtigkeit trägt das Mädchen einen vollen Eimer auf dem Kopf. Fließendes Wasser gibt es nicht auf dem Hof.

Jetzt blickte sie ernst in ihrem feinen Zwirn, als wir zurück zum elterlichen Hof kehrten. Ältere Männer aus dem Dorf kamen und alle beteten vor dem großen Festschmaus und wieder saßen die Mädchen im Mittelpunkt, ein seltener Anblick in der patriarchisch geprägten Gesellschaft. Endlich fand sich eine unter den Cousinen, die etwas Englisch sprach und erklärte: Die Mädchen waren in der vergangenen Woche beschnitten worden. Ein Teil ihrer äußeren, weiblichen Geschlechtsorgane, die Klitoris, sowie Teile der Schamlippen waren entfernt werden. Mitten im Busch, von einem alten Weib, das offiziell eine Art Hilfshebamme ist, ohne Betäubung.

Ich konnte nicht fassen, dass wir gerade ausgelassen eine Beschneidungszeremonie feierten

Heute weiß ich, dass in anderen Familien die verbleibenden Schamlippen oft zusätzlich vernäht und erst nach der Heirat des Mädchens wieder geöffnet werden. Ich hatte zuvor von dieser Praxis gehört, ja, aber dass das hier von diesen lieben Menschen, die ich in mein Herz geschlossen hatte durchgeführt wurde? Die Söhne arbeiteten doch beide im Gesundheitssektor! Wie konnte man unter hygienischen Bedingungen Zähne ziehen und soviel über Antibiotika wissen, dass sich keine Entzündungen entwickeln und gleichzeitig zulassen, dass Mädchen mitten im Busch mit einer Rasierklinge oder einem alten Messer verstümmelt werden?

Ich war sprachlos, fassungslos und habe an diesem Tag gelernt, dass die Welt nicht schwarz oder weiß, sondern voller Grautöne ist. Es ist leicht, weibliche Genitalverstümmlung zu verurteilen und empfindliche Gefängnisstrafen für die Eltern zu fordern, die diese Tortur ihren Kindern antun. Aber es ist nicht leicht, wenn man mit eben diesen Menschen ein ausgelassenes Fest feiert und die vermeintlichen Kinderverstümmler längst zu Freunden in der Fremde geworden sind.

Die Mädchen waren so sichtlich stolz! Die hübschen Kleider, die Gebete, das Essen, nur für sie! Zeitgleich waren sie einige Tage unterrichtet worden, in die Traditionen und Gepflogenheiten ihrer Familie eingewiesen worden, sie waren erwachsen geworden. Und als solche grüßten sie mich, als Ältere nun mal mit einem Knicks und nicht mit einem Sprung in die Arme.

Ich weiß nicht, wie viele Mädchen nach der Beschneidung sterben oder gefährliche Infektionen davon tragen. Es werden nicht wenige sein. Obwohl die Mädchen seit diesem Tag penibel darauf achteten nicht mehr halbnackt über den Hof zu tollen: Einmal saß ein etwa dreijähriges Mädchen vor mir, sie trug nur ein Unterhemd. Und hatte die Beine gespreizt. Dort klaffte einfach ein Loch. Ich werde diesen Anblick nie vergessen.

Viel später hörte ich von den unsäglichen Schmerzen, die diese Frauen oft haben, wenn sie das erste Mal ein Kind bekommen. Wenn das Narbengewebe während der Geburt erneut aufreißt. Und sie wissen oft nichts über ihren Körper, sehen die Beschneidung nicht negativ, sondern als das Ereignis ihrer Jugend, auf das sich jedes Mädchen freut. Und natürlich wünscht sich (fast) jede Mutter, dass auch ihre Tochter einmal tapfer das Ritual übersteht.

Damals lachte eine junge Frau in meinem Alter über mein erschrockenes Gesicht. Nie hatte sie ein kritisches Wort über die Beschneidung gehört, religiöse Lehrer predigten die Notwendigkeit, die Familien feierten sie. Verrückte Welt. Heute, zehn Jahre später, höre ich häufig von Dropping-the-knife Veranstaltungen, bei denen die Hilfshebammen offiziell den Beschneidungen abschwören und symbolisch ihre Messer niederlegen. Das größte Problem zu diesem Schritt war die daraus resultierende Arbeitslosigkeit, denn den Dienst haben sich die Frauen gut von den Familien bezahlen lassen, sodass die Schneiderinnen wenig Interesse an einem Ende der Praxis hatten.

Beschneidung oder Verstümmlung?

Ich schreibe übrigens mit Absicht von einer Beschneidung, auch wenn mir die Gefahr der Verwechselung mit der männlichen Beschneidung, der Entfernung der Vorhaut, bekannt ist. Natürlich handelt es sich hier um weibliche Genitalverstümmlung, die, wendete man Menschenrechte horizontal an, eine Verletzung der Unversehrtheit des Körpers und dazu noch von Schutzbefohlenen darstellt.

Ich bin der Überzeugung, dass nicht nur ein Staat Individuen verletzen kann, sondern auch von Mensch zu Mensch Verbrechen begangen werden können, die gegen unsere Würde sind. Deshalb ist der Begriff Beschneidung nicht als Verharmlosung zu werten. Viel mehr habe ich gemerkt, dass viele Betroffene selbst gar stolz sind auf den Eingriff und das Wort Verstümmlung ablehnen. Das muss ich nicht verstehen, mindestens aber respektieren. Denn es geht um ihren Körper.

So lernte ich Afrika und Bubas Familie kennen. Ich weiß, die Geschichte mit der Beschneidung war heftig. Ich habe viele Wochen gebraucht, bis ich das verdaut und verstanden habe und ich mute sie euch jetzt hier so nebenbei zu. Wichtig ist mir, dass ich diese Familie trotzdem unendlich in mein Herz geschlossen haben. Und bis heute nennen sie mich ihre Schwester. Nie bat mich der alte Opa, das Familienoberhaupt um Geld, wo er doch oft Schwierigkeiten hatte alle satt zu bekommen. Einige der Kinder hatten rötlich-schimmerndes Haar. Das ist Mangelernährung. Kann mit den dicken Hungerbäuchen einher gehen, muss aber nicht.

Und als ich dann einmal nachfragte, warum Buba immer so müde wirke und die Antwort „Asthma“ lautete, ja da begann unsere gemeinsame Geschichte vielleicht so richtig. Ich schlug vor, den Jungen in der Hauptstadt einmal durchchecken und medikamentös einstellen zu lassen. Asthma? Da muss es doch ein Spray für geben?

Damals hätte ich nie gedacht, dass er schon wenige Monate später mit mir im Flieger nach Frankfurt sitzen würde mit einem Visum zur medizinischen Heilbehandlung.

Wie es dazu kam, die Diagnostik, die niederschmetternde Prognose, wie unglaublich toll meine Familie reagiert hat und wie ich plötzlich in der deutschen Botschaft stand – im nächsten Beitrag.

Danke, wer bis hier hin gelesen hat. Entschuldigt, wenn es zu heftig war. Es wird noch dramatischer, aber Buba lebt und er ist gesund. Damit spoilere ich nicht die Geschichte, sondern möchte euch einladen, auch die Fortsetzung zu lesen.

Ich freue mich über Leser und Feedback, also teilt, kommentiert, empfehlt mich weiter, wenn es euch gefallen hat.

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