Vietnam/Kambodscha – Blog 6

Heute ist wieder einer dieser Tag! Ist Kambodscha ein Land der krassen Gegensaetze und Gefuehle oder ist es mein Reisefieber?

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Die erste Aktivitaet des Tages: Ein Ausflug nach Kompong Phluk, eines von drei Doerfern, die auf dem Wasser errichtet sind auf dem Tonlé Sap in der Naehe von Sieam Reap.

1466189_10201056269705269_2121929865_nObwohl die Tempel von Ankor an einem Tag laengst nicht abgefruehstueckt waren, hatten wir irgendwie alle keine Lust auf einen zweiten Weltkulturerbentag. Also das Dorf. Unser Driver von gestern, eine gute halbe Stunde Fahrt und 12 Dollar pro Person Eintritt. Das war vom Gaestehaus organisiert und wohl ganz gut, im Internet lese ich gerade, dass die Preise wohl regelmaessig wechseln, da waren wir gut beraten im Hotel zu buchen. Mit einem kleinen Boot ging es eine halbe Stunde raus und ploetzlich ein Dorf. Im Wasser. Auf Stelzen. Eine Polizeistation, Tempel, Schule, Wohnhaeuser, einfach alles. Total spannend.

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Der Bootfahrer liess uns dann aussteigen auf einer Art Plattform, wo wir empfangen wurden mit der Information, dass die Motorboote nicht in das eigentlich Dorf reinfahren koennen, sondern statt dessen die Frauen des Dorfes sich den Lebensunterhalt durch das Kutschieren der Gaeste mittels Ruderboot sichern. Fünf weitere Dollar pro Person seien faellig. Da begann der erste Zwiespalt des Tages. Machen? Trotz vorheriger anderer Ansage oder zumindest im Glauben lassen, dass die 12 Dollar den ganzen Ausflug abdecken? Bekommen die Frauen wirklich 5 Dollar pro Person ab?

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Dann muessen sie ja echt gut gestellt sein. Moeglich, dass man Fliessbandmaessig durch die waesserlichen Vorgaerten der Familien faehrt? Wann ist eine Frau eigentlich eine Frau und wann ein schulpflichtiges Kind?

1458563_10201055859575016_1563835999_nIst es total cool, dass die Frauen ihren Nachwuchs mit zu Arbeit nehmen koennen, oder etwas abartig, wenn zwei Kleinkinder den ganzen Tag mit fettleibigen Touristen auf einem Boot sitzen und sich in der Sonne langweilen und dabei x-fach abgelichtet werden, weil sie dabei soo suess sind?

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Ist man verantwortlich wenn uebergewichtige Reisende ins Mangrovenwasser plumsen und ihnen keine Schwimmweste passt?

1450838_10201056267665218_1964464488_n Ohne alle Fragen nachhaltig klaeren zu koennen, entschieden wir uns fuer Rundfahrt, die zu sehen wirklich schoen war, aber die Fragen, allen voran die, was wirklich dem Dorf von dem Ganzen zu Gute kommt bleibt. Nach der Fahrt wollten wir nicht in dem Restaurant essen, an dem uns die Bootsfuehrerin wie zufaellig rausliess und unser groeseres-Boot-Fahrer auch schon wie zufaellig mit der Karte in der Hand stand. Dafuer fuhr er uns ein ganzes Stueck auf den See hinaus und „ankerte“ dort einige Zeit. Noch viel zufaelliger kam eine Frau in einem Boot des Weges, die eisgekuehlte Getraenke verkaufen wollte. Kurzerhand bin ich ins Wasser gesprungen. War echt maechtig toll! Danach an Deck trocknen und zuerueck. Fotos folgen.

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Nach einem kurzen Klamottenwechsel im Guesthouse ging es dann ins Civil War Museum. Das ist ungefaehr so attraktiv wie es sich anhoert. Panzer, Knarren, Mienen und so weiter. Dazu eine Fuehrung von einem Mann (in Tarnhose) der als Kind und Jugendlicher die Herrschaft der Roten Khmer mitbekommen hat. Auf einigen schlecht gepflegten Infowaenden waren wirklich grausige Fotos zu sehen und dass Krieg scheisse ist, weiss man einmal mehr, wenn man mit Betroffenen redet. Der Rest des Museums ist aber halt neben Infowaenden und einem Zeitzeugen eine Sammlung an russisch-amerikanischem Spielzeug, das immer etwas befremdlich wirkt. Neben uns besuchten zeitgleich nur eine Handvoll Amerikaner die Ausstellung. Einer brachte es tatsaechlich fertig den Zeitzeugen auf eine Zeitzeugentellermiene zu stellen und zu fotographieren. Derweil erkundigte sich ein anderer, ob der Buergerkrieg wohl vorbei sei.

Ich gebe zu hier geschichtlich auch ueberhaupt nicht fit zu sein. Aber nach dem Besuch dieses Schauplatzes ist ziemindest das historische Interesse geweckt und da dieses „Museum“ dies wohl bezwecken soll, wuerde ich den Besuch alles in Allem als gut einstufen. Einige Geschichten haben mich auch wirklich sehr betroffen gemacht. Die Vielzahl an Tretmienen zum Beispiel und vielleicht ist es auch so unbehaglich, weil das alles noch gar nicht so lange her ist. Vor keinen zehn Jahren, liefen noch Mienenaufraeumarbeiten in der Naehe des Ortes, auch heute noch ist es in einigen Orten dringend angeraten, Wege nicht zu verlassen. Das Museeum zeigt abgesteckte Felder mit liegenden, versteckten „Mienen“ um das Ganze zu verdetlichen. Schlimm auch ein Wasserloch. Total friedlich. Seerose. Davor das Schild und die Info, dass hier gezielt Mienen verstreut wurden, damit Zivilisten und Tiere beim Traenken des Viehs sterben.
Fotos auch hier anbei. 


Idylle, die trügt. So sahen nach dem Krieg in Kambodscha noch lange die Wasserlöcher aus. Vermint.

Idylle, die trügt. So sahen nach dem Krieg in Kambodscha noch lange die Wasserlöcher aus. Vermint.



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Letzter Stopp dann die Silkfarm – die Seidenfabrik. Erst hatten wir alle nicht sio recht Lust. Noch ein Museum? Nochmal Eintritt? Am Ende Ramsch kaufen? Aus Ermangelung an Optionen entschieden wir uns doch dafuer. Zur Abwechselung mal kostete die gefuehrte Tour durch die Seidenfarm kein Eintritt und trotzdem war das echt richtig interessant. Ich hatte ehrlich gesagt (mal wieder) keine Ahnung. Was da fuer eine Logistik hinter steckt. Raupen, die „gezuechtet“ werden um sich einzuspinnen, das Ganze dann ausgekocht wird und anschliessend gespult und zu Faden wird. Die Faeden immer wieder kontrolliert und genormt werden und schliesslich an Websteuhelen die tollsten Muster fabriziert werden – Wahnsinn. Wirklich sehr beeinruckend und lehrreich. Vier Tage arebeitet eine Weberin an einem Schal. (Also nur das Weben. Plus die Produktionszeit also.) Zwischendurch wieder diese Zweifel. Die Fabrik ist luftig, nett, offen, die Frauen quatschen miteinander scherzen mit den Touristenfuehrern, alle Besucher bekommen einen „Visitorpass“ wie bei grossen Firmen ueblich, als wenn man sie sonst mit anderen Betriebsfremden verwechseln koennte. Die Haelfte der Webstuehle ist leer, weil ja Sonntag ist und die Frauen sich mit Wochenendschichten abwechseln. Irgendwo in meinem Kopf ruft es „Kambodscha! Textilindustrie! KIK! Unmenschliche Bedingungen! Fabrikeinstruz in diesem Jahr!“ Und doch glaube ich rueckblickend, dass dieser Ort vielleicht auch das Gegenteil dieser Berichte sein kann. Fest steht: nach einem Besuch hier, glaubt man nicht mehr, dass man auf dem lokalen Mark tatsaechlich einen 100%igen Seiden Schal made in Cambodia erstanden hat und mit 4 Dollar noch zu viel bezahlt hat. Am Ende der Seidenfarm kommt man in klimatisierte Verkaufsraeume, das Visakartenlogo springt einen schon aus der Ferne an. „Never“ dachte ich beim Eintreten, „schöne Kissenbezuege“ dachte ich beim Durchgehen (und 30 Euro pro Kissenbezug stehen fuer wirklich 100% kambodschanische Seide) und beim Rausgehen dachte ich: Ulfert, ich hoffe du hast für deine Hochzeit nächste Woche gutes Wetter bestellt, sodass ich in dem Kleid nicht friere!

Fotos folgen in dem Fall spaeter, sobald ich Hong nochmal ihr Handy abluchsen kann, mein Akku war leer. Zur Entspannung mussten wir auf dem Tourimarkt noch ein paar sehr guenstige Souveniers shoppen und liessen das Abendessen zu Gunsten einiger Mangos und einer Papaya ausfallen. Fotos vom Mittagessen ebenfalls anbei. Ich esse hier sooft Dinge, belegte Brote etc, wo ich keine Ahnung hab was es ist. Nicht mal den Hauch einer Ahnung.

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Trotzdem gehts mir blendend. Morgen geht’s zurueck nach Ho Chi Minh Stadt. Vielleicht tut es ja da mein Email-Account auch wieder.

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