Vietnam – Blog 3 bzw 4: Reifenpannen und Baumeister

Warum muss facebook eigentlich immer fragen „whats on your mind“? Sooo viel! Erstmal alles durcheinander: ganz aktuell: wie cool ist es in Sieam Reap an einem Computer zu sitzen, Khmer Bier zu saufen  (0,5 Dollar Touri-Preis) in dem Wissen, dass mein Evchen genau HIER vor einigen Tagen gesessen hat und begrüßt zu werden mit „are u evas friend“ und im Austausch infos zur Situation ihres Magendarmtracktes zu erhalten?!

Aergerliches on my mind derweil: warum muss mein scheiss 59-euro-real-Spielzeug ausgerechtnet jetzt rumspacken? Blog Part III ist darauf gespeichert und so wird euch der Tag vorenthalten und auch meine (inzwischen längst vertieften) Erkenntnisse ueber den Strassenverkehr. Dass es weder Umlaute noch scharfe se auf der Tastatur gibt, merkt man, oder?

Weitere Aergernisse des Tages: defintiv, dass der Saftladen Hotmail es als suspekt einstuft, dass ich mich aus Vietnam und KIambodscha einloggen will. Nachdem ich mir die Betreffs der letzten (5!) Mails aus den Fingern gesogen hab (Gruesse aus Saigon, Gruesse aus Saigon, Gruesse aus…. schon gut), mein Geburtsdatum, die Namen meiner Eltern, Lehrer, Haustiere und mein Einschulungsjahr preisgegeben hab, verlangte man nach einer alternativen Email-Adresse. Und was denkt GMX darueber? Richtig. „Sie melden sich von einem nicht bekannten Ort aus an. Bitte verifizieren Sie Ihren Account.“. Das ist auch anstrengend.

Darueber hinaus und jetzt etwas geordneter:

Wir sind gestern von Saigon nach Phnom Phen, die Hauptstadt von Kambodscha gereist, mit dem Bus. Nachdem wir die Abfahrtzeit auf Viertel nach 6 vereinbart hatten, teilte Hong mir bereits seit dem Vorabend mit, was es alles fuer Konsequenzen hat, wenn wir verschlafen. Total entspannt und ohne zwischendurch x-mal panisch auf das da noch funktionierente Tabletimitat zu gucken (und zu rechnen, weil MEZ!) standen wir also auf. Wo sind eigentlich die Zeiten hin, in denen Asiaten 6 Uhr sagen und 7 Uhr meinen? Ein Mythos aus dem Kurs „Interkulturelle Kommunikation“. Stress, Aufbruch, Staugefahr. Dazu Aerger ueber festes Schuhwerk („brauch nicht!“) und Widerworte (gefaehrlich, Reisefueherertipp: Gesicht wahren ist oberste Prioritaet, dagagen hielt ich den Hannatipp: Fusserhalt nach NotblaseneroeffnungsOP mit Blutzuckermessnadeln hat Prioritaet) schlussendlich durfte ich die Schuhe miitnehmen. (Ohne Gesichtsverlsut hoffe ich, weiss man ja nicht, denn der Reisefueherer sagt, Asiaten sagen immer ja)

Die Fahrt mit dem Bus problemlos und ganz nett. Grenze Kambodscha auch okay, harmlos im Vergleich zu Afrika. Einziger Spassmoment ist, als der arme Busfahrer dem Passbeamten helfen wollte in dem er die Namen der Passinhaaber aufrief. Da hatte er nicht mit meinem deutschen Pass gerechnet, zwischen all den Vietnamesen. Nunja ging auch.

Im Bus fiel uns auf, dass wir gar kein Hotel in Phnom Phen haben. Doof, wenn man irgendwo in einer asiatischen Millionenstadt ankommt. Kurzerhand habe ich mir einen Lonely Planet von einem amerikanischen Mitreisenden geliehen und eine Art Schnellsuche veranstaltet. Offensichtlich lief das ganze recht Mittleidserregend ab, denn nach kurzer Zeit bot der gute Mann uns an, mit in sein Hotel zu kommen und dort unser Glueck zu versuchen. Waehrend ein Tuktukdriver sich wohl ueber den Montasjackpot freute, den der amerikanische Mitbuerger ihm mit seinen 5 Dollar versprochen hatte, buchten wir fix die Weiterfahrt am naechsten Tag. Das Hotel ‚Super Star‘ wurde seinem Namen voll gerrecht. Vermutlich aus gesichtswahrtechnischen Gruenden wuerde die Hotellwahl spaeter in Gaenze in meinen Verantwortungsberich uebertragen. (Schimmelbefall im Bad, nur ein Handtuch pro Person, keine Handelsbereitschaft des Personals).

Kurzfristig und Dank der lieben Birgit,  konnten wir den Partner des Friedensdorf  in Kambodscha kontaktieren. Prompt stand der zwei Stunden spaeter aus der Matte und was soll ich sagen, es ist schon ziemlich ziemlich cool mitten in Cambodia die Taube Frieda auf einem Auto zu sehen und herzlichst auf Deutsch begruesst zu werden. Der liebe Heng hat uns den Ueberfall nicht uebel genommen und die merkwuerdige Reisekombo durfte mit ihm und seiner Familie dinieren. Echt kambodschanisch, wobei Hongo und ihre Freundin wahrlich Bedenken hatten, dass wir Insekten oder Vogelspinnen vorgestezt bekommen. (Nicht ganz unberrechtigt, der erste Eindruck Kambodschas nach der Grenze war eine Gruppe Frauen, die uns diverse Delikatessen in diese Richtung anboten.) Heng war aber so einfuehlsam unsere persoenliche Grenze bei der Kuhzunge erreicht zu sehen. Ich fuehle mich ja persoehlich schon sehr sicher in Sachen Staebchen und berichtete gerade seiner Frau wie Amy Yan und Leitje Jiang mir in niederlaendischen Sushibars immer ein Gummiband fuer um die Staebchen bestellten – als Heng just das fuer mich tat. Offensichtlich mach ich mich doch nicht so gut. Unter den kritischen Augen meiner Reisetruppe trank ich einige Khamer (ist keine Angeberei, aber kambodschanisch als adjektiv klingt wahrlich doof) Bier und zum Abschluss bestiegen wir noch den 38.(!) Stock eines Hochhaus mit Cocktailbar auf dem Dach und wahnsinigen Bliock ueber die Hauptstadt. Ich war sprachlos. Wirklich Wahnsinn.

Die Nacht war angenehm frisch Dank Klimaanlage (trotz Schimmel, einem Handtuch und sagenhaften 20Dollar fuer drei Personen). Als ich beim ersten Weckerklingeln nicht senkrecht im Bett sass, befanden meine Reisepartnerinnen jedoch sogleich, dass dies an dem ungemeinen Bierkonsum am Abend gelegen haben muesse. Es war wohlgemerkt vor 7 Uhr und der naechste Spruch bezueglich des voellig ueberteurten Hotels liess nicht lange auf sich warten. Ich entschloss mich meine Gesicht zu wahren und zu waschen und so einen Grund zu haben im Bad zu verschwinden. Total entspannt teilte dann der Portier mit, dass der Tuktukfahrer bereits warte und wir hastig eine 3/4 Std vor ausgemachten Aufbruch die Bruchbude verliessen.

An der Bushaltestelle angekommen erste Kontakte zu Kambodschanern. Etwas Gambia geschaedigt, war ich sehr abweisend anfaenglich und was soll ich sagen, die waren gar nicht aufdringlich. Hallo, guten Tag guten Weg – fertig! Nur ein Kollege wollte sich etwas laenger Unterhalten. Nach dem die Herkunftsfrage geklaert war (deutsch aber wundersamerweise nicht aus Berlin) spielte er das gleich Spiel mit Hong. Die Tatsache, dass sie seit 40 Jahren in Deutschland lebt, brachte er umgehend mit Ho Chi Minh und dem amerikanischen Krieg in Verbindung. Vermutlich aus Ermangelung einer gemeinsamen Sprache untermalte er das ganze Wort und Lautreich. Kam nicht so gut an bei meiner vietnamesichen Truppe.

Die Fahrt ging dann um halb 8 auch schon los. (Haette ich ja meinen nicht vorhandenen aber angedichteten Kater weiter ausschlafen können.)
Im Bus gibt es tatsaechlich Sitzplatzreservierungen. Man bekommt genau einen Sitz zu geteilt und der ist tatsaechlich nur einmal vergeben, also relativ viel Platz und Komfort. Zunaechst sass ich alleine, bis ein Khamer Mann zustieg sich neben mich setzte und sich als Jornalist vorstellte. Mit dem Ipod versperrte ich so gleich meine Ohren, auf die Gefahr hin die ganze Fahrt ueber vollgequatscht zu werden. Afrikageschaedigt halt. Im Endeffekt haben wir uns noch sehr nett unterhalten. Er hat frueher als Taxifahrer in Vietnam gearbeitet (plus Punkte bei meinen Damen) da er unter der Roten Khamer Herrschaft keine Perspektiven hatte. Heute sei er News Coordintaor fuer das kambidschanische Fernsehen. Stets in der Annahme es mit einer Schwatzbacke zu tun zu haben, nahm ich seine Visitenkarte in Empfang, die zumindest einiges herrmachte. So viel zum Thema Vorurteile.

Nach einiger Zeit stoppte der Bus. Der Begleiter des Fahrers, der die Sitzplatz-Zuweisung kontrolliert, kann genau einen Satz auf English: 20 miniute break. Um das zu unterstreichen haelt er ein Schild hoch, auf dem zudem noch der Zusatz vermerkt ist: „time for refreshment“. Nach dem refreshment bemerkte ein amerikanischer Mitbuerger treffend dem Fahrer gegenueber, dass sein Reifen platt sei. Voellig erstaunt (er war wirklich platt! Der Reifen. Naja und der Fahrer halt) begann er die Angelegenheit zu untersuchen. Der Begleiter merkte an, dass wir „20 minute break“ machen und das gleich nach zwanzig minuten nochmal. irgendwann bediente er sich meines neuen Freundes dem News coordinator als Uebersetzer, und ließ mitteilen, dass wir alle aussteigen sollten, damit man den Reifen wechseln koenne. Gesagt getan. Einen Kaffe spaeter (doofe Idee heissen Kaffee zu bestellen. Man trinkt hier aus gutem Grund nur Eis-Kaffee. Der ist lecker, aber Hong sorgt sich um unsere Maegen und die Menge an Eis ist wirklich etwas bedenklich fuer den geneigten europaeischen Magen. Heisser Kaffe ist jedoch das gleiche ohne Eis und das kommt dann einem Espresso von der Staerke her und einem Kaennchen von der Menge her gleich.) Mit gedoppelten Herzschlag wartet es sich gleich viel besser. Mr. 20-minute-break war inzwischen samt Bus und unserem Gepaeck verschwunden. Die Ansichten in welche Richtung er wohl verschwunden waer, teilten sich etwa um 100 %. Nach 2 Stunden warten trug sich eine wunderbare HEBO/Cultural Studies Situation zu. Man kann die wartenden in folgende Gruppen teilen. 1) Ameriknaische Travller. Loggten sich mit ihren Iphones ins ueberall verfuegbare WIFI und waren nicht mehr ansprechbar. 2) Franzosen und Schweizer tranken ihren Kaffee ihm deutlich gehoberenen Hotel, statt der Snackbar, da gabs Cafe au Lait. Und Wlan. 3) Asiaten – sassen das Problem aus 4) Oesis und Deutsche. Zusammen mit einem Menschen aus Wien schnappten wir uns nach 3 Stunden ein Taxi und suchten den Bus. Unternehmergeist! Mission- Reifenwechsel beschleunigen oder aber das Gepaeck schnappen und ein anderes Gefaehrt zu weiterfahret bewegen.  Hauptsache handeln. Natuerlich nicht, ohne eine schriftliche Beschwerde beim Busunternehmen. Als wir ankamen prüfte Mr-20-Minutes-Break soeben den Luftdruck und wir konnten vom Taxi direkt in den Bus umsteigen. Mein oesterreichischer Freund hat es tatsaechlich noch geschafft sich auf der kurzen Fahr so einzusauen, dass er eine Oelspur im Gesicht hatte. Bei der wartenden Gruppe angekommen wurden wir als Helden gefeiert und taten gerne so, als haetten wir uns selbst unter den Bus gelegt und den Reifenwechsel vollzogen.

Kambodscha scheint schon krass aermer als Vietnam, obwohl es schwer zu vergleiichen ist, da ich von Vietnam ja bisher nur Staedte kenne und jetzt aus Kambodscha die Ueberlandeindruecke habe. Die Haeuser sind hier oft auf Stelzen gebaut, wohl aus Sorge vor Hochwasser, das auch recht haeufig ist. Bemerkenswert finde ich ausserdem, dass die Menschen oft in sehr einfachen Wellblech oder Holzhuetten leben, wahrend jeder noch so kleine Ort einen herausragenden Tempel hat. Farblich erinnern diese, genau wie die Haueser bessergestellter Menschen, uebrigens ziemlich an Bob the Builder….

Sehr oft am Wegesrand gesehen habe ich Getraenkeflaschen, die mit unbekannten Fluessigkeite (ich vermute Oel oder Seifenlauge) befuellt sind. Erinnert mich immer sehr an die Friedensdorf-Kids mit Speiseroiehrenverletzungen. Kein Wunder, dass Kinder sowas trinken, wenn es doch verlockende Logos hat. Die Kinder sind sowieso hier beeindruckend. Nicht nur, dass sie natuerlich mega suess sind. Bei der Reifenwechselaktion habe ich eine Familie beobachtet. Die zwei noch sehr jungen Kids haben nicht einmal gequengelt oder geweint, trotz der ganztaegigen Reise und dem elendigen Warten. Wahnsinn.
Schlimm zu sehen sind natuerlich bettelnde Kids, oder sehr junge, die auf dem Markt verkaufen.

Zu Entschaedigung fuers lange Wareten spielte Mr 20 Minutes uebrigens zwei kambodschanische Opern im Bus. Total nett von ihm. Liebe Gratulanten meines 23. Geburtstag, Danke, danke, danke fuer den ipod damals.

Nun sind wir in Seam Reep und total gespant auf die Tempelanlagen, die so beeindruckend sein sollen, dass sie als naechsts Weltkulturerbe gehandelt werden. Durch Heng wurde uns ein Farher vermittelt, der leider den halben Tag auf uns gewartet hat, wegen dem Reifenunglueck. Dafuer baten wir ihn uns zum Essen zu begleiten. Erst ging es auf die Tourimeile wir baten dann aber darum uns dorthin zu bringen, wo er mit seiner Familie auch essen wuerde. Den Salat mit Kiloweise Eis am Tisch zu kuehlen war zwar sicher nett gemeint, aber ich hoffe, dass nicht der befuerchtete Eiskaffeeeffekt eintreten wird. Fuer schlappe 12 Dollar sind wir aber zu viert gut satt geworden und haben gut Khamer Bier getrunken (auch wenn man uns zunaechst sehr stolz Becks anbieten wollte!)

Dollar scheint hier mindestens so gaengig zu sein, wie die Landeswahrung. Heng erklaerte, dass das nicht schlimm ist, solange die Inflation nicht steigt. Macht ja Sinn. Ist auf jeden Fall cool mit harten Dollars zu bezahlen (2, 3 in der Regel) und Riel wieder zu bekommen (1000de in der Regel.)

So mal sehen, ob ich wahlweise Hotmail oder GMX ueberzeugt bekomme, dass ich tatsaechlich in Kambodscha bin oder im Idealfall mein Spielzeug anbekomme, dann hab ich whats app und es gibt Fotos. Oder gleich Hongos Handy klauen. Mit diesem Beitrag gibt es heute leider erstmal keine Bilder.

Freue mich auf jeden Fall sehr ueber die bisherigen Kommentare!

Liebe Gruesse auch von Hongo an alle aus Cambodia!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s