Perlen der Kommunikation, die mir ohne Festnetzanschluss entgangen wären

Isch ruf’ wegen die Katze an!” Wenn man krankheitsbedingt so einen ganzen Tag zu Hause verbringt, hat man ganz schön Stress. Telefonstress. Bisher dachte ich, dass der Festnetzanschluss in meiner Wohnung genau drei Daseinsgründe hat: der erste ist mit meinen Eltern telefonieren zu können, die eher zögerlich ins Mobilfunknetz telefonieren, zweitens finde ich es unglaublich seriös, einen Festnetzanschluss irgendwo anzugeben, anstelle der Alditalk-Handynummer (und ärger mich dann regelmäßig, dass mich vor lauter Seriosität niemand erreicht, denn ich bin ja selten zu Hause) und, ganz wichtig, drittens: war der Anschluss  im Internet-Fernsehen-Paket einfach mit drin.

Während ich also kränkelnd auf meinem Heizkissen liege und mir überlege, ob die Nierentransplantation wohl günstiger wäre als die nächste Stromrechnung, bimmelt das Scheißteil Akkord.

Zum Glück kann ich mich schnell auf neue Situationen einstellen und weiß tatsächlich die richtige Antwort auf “Isch ruf’ wegen die Katze an!”. Die lautet nämlich mit Nichten (Frage an die Gleichstellungsbeauftragte Heike: muss ich hier jetzt „/Neffen“ ergänzen??) “wegen DER Katze”. Die Antwort lautet: “Ihnen auch einen schönen guten Tag, stellen Sie sich vor, die Nummer des Tierarztes am Scholtenhof unterscheidet sich genau um eine 3 von meiner Telefonnummer, ich wünsch der Katze alles Gute!

Diesen Sachverhalt habe ich in meiner vielen AU-bedingten freien Zeit ergoogelt. Es ist schon beeindruckend, dass sich mehrere Leute am selben Tag den gleichen Tipper mit Telefonnummern erlauben. Vermutlich aus Ermangelung ihres Haustieres als Zuhörer (montags scheint OP-Tag zu sein und einige Herrchen und Frauchen müssen das gute Tier wohl am frühen Morgen bereits abgegeben haben) erzählen mir die Anrufer noch ein paar Schmankerl aus ihrem Leben beziehungsweise dem ihrer Katze.

Wie viele Vierbeiner wohl tragisch in Tierheimen enden, weil ihre Besitzer, während ich bei der Arbeit bin, immerzu wegen die Katze hier anrufen und ihnen keiner sagt, dass sie sich verwählt haben geschweige denn die richtige Nummer durchgibt? Habe überlegt, beim Tierarzt nach einer Vermittlungsprovision zu fragen.

Zwischen zwei besorgten Tierbesitzern rufe ich bei meinem Arzt an, um einen Termin zu vereinbaren. Freundlich und wohl strukturiert trage ich mein Anliegen vor: “Ich war Donnerstag bei Ihnen, habe auch Medikamente bekommen, doch seit dem Wochenende habe ich wieder starke Schmerzen.” Ich weiß nicht, welche Reaktion ich erwartet habe. Vielleicht ist Mitgefühl von Mitarbeitern einer Arztpraxis zu viel verlangt, offensichtlich ist aber jede Antwort zu viel verlangt, denn die Sprechstundenhilfe sagt: nix.

Ich folge dem Impuls mich dafür zu entschuldigen, dass ich krank bin nicht, sondern warte geduldig. Nach einer kleinen Ewigkeit ranzt man in den Hörer, dass ich um ein Uhr kommen solle. “Dann aber mit Wartezeit!” führt man mir vorsichtshalber vor Augen, mit dem unüberhörbaren Vorwurf, dass ich nicht vor Wochen das Leiden geplant und mir einen ordentlichen Kassenpatienten-Termin im Voraus habe geben lassen. Warum besuchen eigentlich nur Bankberater und Versicherungsvertreter Telefonseminare? Und: braucht man für Umgangsformen wirklich ein Telefonseminar? Okay, ich bedanke mich sogar bei SIRI, wenn er (natürlich ist meine Iphone-Schlampe ein Kerl!) mal wieder einen 80er Jahre Song von Deluxe Music erkannt hat. Das ist sicher auch etwas übertrieben, aber so ein Mindestmaß an Floskeln? Telefonieren diese Menschen privat auch so? “Grüß’ dich XY, ich wollte mal anrufen und fragen ob wir nächste Woche zusammen ins Kino gehen” …. SCHWEIGEN …. “Mittwoch, dann aber die Spätvorstellung und kein Popcorn!!

13:00 Uhr. Also schiebe ich den ganzen Vormittag Telefondienst. Gerade als ich witzige Anrufbeantworter-Sprüche zum Thema “Tierversuchslabor, leider befinden sich gerade alle Mitarbeiter in Behandlungen in unserer Hauskatzenabteilung” aufnehmen will, klingelt das Telefon schon wieder. Der Blutspendedienst hat mein Blut untersucht und möchte die Ergebnisse mit mir besprechen und vor allem wünscht man sich eine Vollblutspende. Diese Frau hat auf jeden Fall ein Telefonseminar besucht, aber eher Kategorie “ich kriege alles aus dir raus”. Meine freundliche aber bestimmte Information, dass ich krank sei und aktuell ohnehin nicht spenden könne, nimmt sie sofort ins System auf. Sie bohrt und bohrt, will unbedingt wissen, welche Medikamente ich nehme und wie lange. In einem spontanen Datenschutzanfall schließe ich vehement What’s App auf meinem Handy und informiere den Blutspendedienst, dass ich jetzt keinen Kopf für die Spende habe, mitten in einer Behandlung sei und mich melden würde, wenn ich wieder gesund bin. Noch ganz beflügelt von meiner deutlichen Ansage holt mich die Telefonseminar-Streberin am anderen Ende der Leitung schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. “Ich muss das aber hier eintragen,” tadelt sie nicht ganz sanft, “damit kein anderer Kollege sie wieder anruft und wir Bescheid wissen, wie lange sie jetzt nicht spenden dürfen!” Dass sie nicht noch ein „das wird man ja wohl noch sagen dürfen,“ hinterherschiebt, überrascht mich direkt. Fast möchte ich sie anmotzen, dass ich selber auch total gerne wissen würde, wann ich wieder gesund bin. Es “klopft” aber jemand im Hintergrund in der Leitung. Ich teile der Blutspendetante mit, dass ich mich jetzt um frischoperierte Katzen kümmern muss und lege auf…

Edited:

Die Erleuchtung kam dann über Nacht, beziehungsweise von der Tierärztin meines Vertrauens (nicht der am Scholtenhof): Warum gehe ich eigentlich noch zum Arzt? In der Tierarztpraxis ist man freundlich am Telefon, man wird nicht an Spezialisten verwiesen und anstelle des wenig verlockenden Angebots Urin durch Katheter-Entnahme zu gewinnen, hat man immer die Option zum Einschläfern! Liebe Dorstener, nehmt ihr auch Kassenpatienten?!

5 Gedanken zu “Perlen der Kommunikation, die mir ohne Festnetzanschluss entgangen wären

  1. Geh beum nächsten direkt zum tierarzt,ohne umwege über lis und ohne 4000euro!der macht direkt nen resistenztest:-P
    Alternativvorschlag:weniger selbstgebrannten!sei froh,dass du nicht blind bist!!!

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  2. Pingback: Ich fahre auf ein Festival und das Handy bleibt zu Hause | Grinchtour.org

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